Pfarrer Michael Zeh schrieb im Dezember 2004 für den Hunsrückverein folgendes
Die Kirche in Meckenbach.


Die evangelische Kirche in Meckenbach lohnt auf jeden Fall einen Abstecher durch das malerische Meckenbacher Tal in das wenige Kilometer bei Kirn gelegene Meckenbach. Unabhängig von wo aus man sich zu Fuß oder auch mit dem Auto nähert, das erste oder letzte, was man vom Dorf Meckenbach mit seinen 432 Einwohnern sieht, ist der Kirchturm, den zeitweise auch einmal eine Turmuhr geziert hat, deren Zifferblatt innerhalb der aufgemalten Rundung nach Süden zeigte.
Die Meckenbacher haben allen Grund auf ihre Kirche stolz zu sein.
Stammt sie doch aus dem vorletzten Jahrtausend und ist damit eine der ältesten Kirchen im Naheraum. Der romanische Gründungsbau, mit quadratischem Ostturm, in dem sich der Chorraum befand, vom Mainzer Erzbischof Willigis (975-1011) gegründet und dem Kloster Disibodenberg unterstellt ist im Wesentlichen noch erhalten. Aus dieser Zeit stammt das romanische Portal an der Südseite, in dessen Türsturz sich interessante geometrische Muster und Symbole befinden.
Eine besondere Kostbarkeit, die sich nur dem erschließt, der in den Chorraum hineingeht und sich nicht scheut auf die Orgelempore zu klettern, sind die alten Fresken der Kirche.
Leider sind sie teilweise stark beschädigt, da sie bis 1960 unter Putz gelegen haben und viel Generationen nichts von ihrer Existenz wussten. Teilweise könnte es sich sogar um mutwillige Zerstörungen aus früherer Zeit handeln.
Auf der Nordseite erkennt man eine Kreuzfahrerszene. Hinter der Orgel ein Priester oder Heiliger der die Hostie hochhält, an der Südseite hinter der Kanzel, die drei Weisen aus dem Morgenland die Jesus die Geschenke bringen. Maria sitzt und hält das Jesuskind auf dem Arm. Beide tragen einen Heiligenschein. Maria als Himmelskönigin eine Krone. Ihr Mantel ist blau gefärbt, der Umhang des Kindes rot, die Farbe die dem Herrscher vorbehalten ist, zugleich die Farbe der Hingabe und Liebe. Maria und Jesus befinden sich nicht in einer armseligen Behausung, sondern eher in einer Burg oder Palast mit Zinnen und Turm.
Vor Maria und Jesus- Josef ist hier nicht abgebildet- kniet der erste König allerdings ohne Krone, und bietet in einem großen Kelch sein Geschenk dar. Die beiden anderen Könige tragen deutlich sichtbar Krone und königliche Gewänder in rot und blau mit Faltenwurf, der mittlere König weist den dritten König und zugleich den Betrachter des Bildes mit ausgestrecktem Arm auf den Stern, der über den Zinnen steht als wollte er sagen sagt: "Ihr seid am Ziel eurer langen Suche. Hier erstrahlt das Licht der Welt , nach dem sich die Völker sehnen und zu dem sie von weither hinziehen. So stehen seit dem 13. Jahrhundert die meist armen Menschen in der Meckenbacher Kirche gemeinsam mit den Königen vor dem Jesuskind und der Himmelskönigin. Und so wie sich für die drei Könige der Weg gelohnt hat, so wird sich auch heute noch für heutigen Betrachter der Weg gelohnt haben. Das gilt auch für das andere großartige Fresko hinter der Orgel, eine große Christophorusdarstellung mit dem Christuskind, das recht gut erhalten ist und sich stilistisch von den anderen Abbildungen abhebt. Es wirkt auf den ersten Blick schlichter, nicht so kunstfertig und filigran wie die Anbetung der Könige, dennoch ist mir bisher keine Christophorusdarstellung begegnet, die dieser so finde ich - an Bedeutung und Schönheit gleichkommt.
Einige Besonderheiten sind:
Christophorus wirkt hier nicht wie ein Riese, schon gar nicht wie ein Ungeheuer.
Der Christophorus der Meckenbacher Kirche zieht sofort die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Er schaut einen intensiv an, wirkt jugendlich, er trägt ein braunes Gewand, der Überwurf von einer Fibel zusammengehalten. Braun, die Farbe der Erde aber auch der Armut, Farbe des Bettlergewandes und der Bettelorden jener Zeit. Die Rechte umfasst den grünenden Stab. Auf dem linken Arm trägt er Christus mit roter Tunika und blauem Gewand, der in seiner linken Hand, anstelle einer Weltkugel ein geöffnetes Buch hält, wie man es von den Pantokratordarstellungen der Ikonen gewohnt ist, die rechte Hand segnend erhoben. Der unmittelbare Eindruck ist, Christophorus, der den Christus trägt, ist selber mit den Zügen des Heilands dargestellt.
Die Botschaft dieses Bildes:
Der Christusträger wird anderen selber zum Christus.
Die Fresken werden in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert, der Christopherus, könnte noch älter.
1439 wurden kleine bauliche Veränderungen vorgenommen. In diese Zeit scheint auch das kleine spitzbogige Fenster hinter dem Taufstein zu gehören. Die Meckenbacher nennen es das Pestfenster.
Nach der mündlichen Überlieferung, wurde durch diese Fenster den Pestkranken die Kommunion gereicht. Das Dorf Niedermeckenbach ist durch die Pest ganz ausgelöscht worden und vom Erdboden verschwunden.
1756 wurde dann die Kirche nach Westen erweitert, die Fenster vergrößert, der Durchgang zum Chorraum erweitert und die Inneneinrichtung erneuert. Aus dieser Zeit stammt auch der barocke Taufkerzenleuchter der jüngst von privater Hand dazugestiftet wurde. Aus dieser Zeit stammt auch die Kanzel, in deren Füllung die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes eingemalt sind.
Erst 1826 erhält die Kirche eine Stummorgel. Aber es fehlte das Geld, die Orgel instand zu halten und Teile auszutauschen.
Wo Zinnfraß ein Loch hinterlassen hatte, wurde einfach ein Stück alte Zeitung hineingesteckt. Die später wieder zum Vorschein kam. Mir hat sich besonders die Überschrift Napoleon auf Elba eingeprägt.
Mußten die Meckenbacher die Nachteile des Geldmangels erleiden, so war er für die spätere Restaurierung der Orgel von Vorteil. Alle Teile waren noch im Original erhalten und so wurde die Orgel 1981 von der Firma Klais (Bonn) dem ursprünglichen Zustand entsprechend restauriert.
Für Organisten ist die Orgel eine Herausforderung, die Pedale sind anders angeordnet als gewohnt. Sie ist einen halben Ton höher gestimmt, was das Mitsingen nicht erleichtert und das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten in der Regel unmöglich macht.
1850 kam der Altar hinzu, der verschiedentlich hin und herbewegt wurde zuletzt 1996 in Richtung Westen.
1960 wurde das Südportal freigelegt, die äußeren Stützpfeiler auf der Südseite sowie ein Teil der Empore entfernt und Kirchenbänke reduziert. An der Südseite findet sich auch noch ein schönes Steinkreuz auf ein Herz aufgesetzt, daß an den Tod einer Maria Katharina Theis am 16.9.1724 erinnert.
Das einzige Grabmal des alten Kirchhofes.
Die jüngste Errungenschaft ist ein Taufstein, den der Sobernheimer Steinmetzmeister Plützer entworfen und angefertigt hat, der sich schlicht und harmonisch in die Kirche fügt als habe er dort schon lange Zeit gestanden.
Die Ortsgemeinde hat ihn der Kirche 1998 gestiftet.